2023: Weitere Stolpersteine in Oppum

Auf Initiative des Bürgervereins Krefeld-Oppum werden gemeinsam mit der Villa Merländer, der NS-Dokumentationstelle in Krefeld, am Freitag, den 15.12.2023 um 11.15h durch den Künstler Gunter Demnig vier Stolpersteine an der Trift 92 verlegt.
Die Verlegung findet mit Beteiligung von Schülerinnen des Gymnasiums Horkesgath und Vertreterinnen der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas statt, die einen kleinen musikalischen Beitrag in Erinnerung an Ihre Glaubensbrüder und -schwestern darbieten.

Auf die Ehepaare Wolf und Windolph, beide Mitglieder der Zeugen Jehovas, wurde der Bürgerverein in der Vorbereitung der 950 Jahresfeier des Stadtteils aufmerksam. Stationen ihrer Erniedrigung waren unter anderen das KZ Ravensbrück und das KZ Buchenwald.
Dem Bürgerverein ist es wichtig, diese Erinnerungen lebendig zu halten, und den Opfern jene Würde zu geben, die Ihnen von den damaligen Machthabern und Ihren Anhänger*innen abgesprochen wurden. Wie aktuell diese Erinnerungskultur ist, zeigt sich leider an dem immer sichtbarer werdenden Antisemitismus und Fremdenhass in unserer Gesellschaft, in all seinen Facetten. Der Bürgerverein-Oppum steht für Vielfalt, Offenheit und Tolerenz. Er handelt nach dem immer beschworenen, nun aber wieder von allen gesellschaftlichen Kräften geforderten : „Nie wieder ist JETZT!“

Mehr Hintergünde, die die Recherchen ergeben haben gibt es durch die Schüler*innen bei der Verlegung der Stolpersteine. Herzliche Einladung!
Der Bürgerverein freut sich über eine rege Teilnahme aus dem Stadtteil.

Für den Bürgerverein Krefeld-Oppum, Matthias Hakes


2022: Der erste Stolperstein in Oppum – Wer war Johanna Chrobog?

Der Oppumer Bürgerverein meldete am Anfang des Jubiläumsjahres sein Interesse beim Verein Villa Merländer e.V. an, als Gedenken an die Jahre 1933 bis 1945 einen Solperstein zu verlegen. Gemeinsam mit den Mitarbeiter*innen der NS-Dokumentationsstelle Krefeld und einem Mitglied des Bürgervereins begannen die Recherchen.


Auch in Oppum waren Mitmenschen, die in Ihren Nachbarschaften lebten, nicht sicher vor Ausgrenzung, Denunziation, Verfolgung und Deportation. Sie wurden Opfer der nationalsozialistischen „Volksidee“ und „Rassenlehre“: Juden, Zeugen Jehovas, Schwule Menschen und politisch Andersdenkende, Menschen die sich aus politischen oder religiösen Gründen gegen das diktatorische Regime auflehnten, waren der Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt: Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Die Frage, wer Johanna Chrobog war, will nicht allein aus der Opferperspektive beschrieben werden. Diese willkürliche und menschenverachtende Sichtweise auf Mitglieder der Gesellschaft, auf Mitbürgerinnen, getragen von Hass und Hetze wäre schnell, weil brutal oberflächlich, erzählt. In den Augen der Täterinnen, war Johanna Jüdin, obwohl sie sich selbst als Christin verstand: das reichte, um ihr Leben der Familie, den Freunden, den Nachbarn zu entreißen und Sie in den Tod zu schicken.

Aber was wissen wir über die Johanna Chrobog, die nur eins wollte: hier in Oppum mit ihrem Mann leben, den Krieg wie alle Anderen überleben, um dann vielleicht eine friedlichere Zeit, das Glück war längst abhanden gekommen, zu erleben. Wer will das nicht?

Johanna Chrobog, geborene Kochmann, wurde 1891 in Beuthen in Oberschlesien geboren. Sie stammte aus einer jüdischen Familie. Sie lernte den Monteur Paul Chrobog, geboren 1889 aus Königshütte, ebenfalls Oberschlesien, kennen und lieben. Sie heirateten 1913. Wie zu diesen Zeiten üblich konvertierten meist die Frauen und übernahmen die Religionszugehörigkeit des Mannes. Johanna wurde Christin. Auch in der Familie des Artikelschreibers gab und gibt es solche Konversionen. Normal, oder?

Noch im gleichen Jahr kam Ihre Tochter Ruth zur Welt. 1938 kam Johanna mit Ihrem Mann, über Siegburg das erste Mal nach Krefeld, um dann, 1940 ihren Wohnort nach Berlin zu verlegen. Solche Wohnwechsel kamen bei Monteuren öfter vor. Den ständigen Wohnsitz in Oberschlesien überließen sie Ihrer, bereits 1942 verwitweten, Tochter Ruth Kaiser und Ihrer Enkelin Vera, geboren 1934. Eine beinah perfekte Familie.

Johanna war Frau, Ehefrau, Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Freundin. Sie führte ein Leben bestehend aus enger Verbindung mit ihrem Mann, Fleiß, Fernbeziehungen zu Tochter und Enkelkind und Kontakte in die Nachbarschaft hinein. Wäre da nicht der frühe Tod des Schwiegersohnes gewesen, ein beinah durchschnittlicher Alltag.
Doch Bedrängnis und Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurden mit jedem Tag unerträglicher. Diese entrissen Johanna, im Mai 1942, ihre Tochter Ruth und ihre Enkelin Vera, deportierten sie von Gleiwitz nach Auschwitz und ermordeten Ruth und Vera (8Jahre) gleich nach deren Ankunft in den Gaskammern. Eine Situation, die sich keine Mutter und kein Vater wünscht: den Tod der eigenen Kinder zu erleben, der gemeinsamen Zukunft beraubt.

Im Februar 1944 kehrten Johanna und Paul nach Krefeld zurück. Vielleicht, weil Berlin, das Zentrum von Macht und Verfolgung, ihnen zu sehr zusetzte, wie eine anonyme Anzeige von 1943 dokumentiert: der Vorwurf, angebliche Verbindungen zu Emigranten. Ihr konnte zwar keine Schuld nachgewesen werden und aufgrund Ihrer Mischehe war Sie als Jüdin vorerst noch vor der Deportation geschützt. Vielleicht glaubten Paul und Johanna, am Niederrhein unauffälliger leben zu können.
Doch ab Herbst 1944 verfolgten die Nationalsozialisten zunehmend auch Jüdinnen und Juden aus sogenannten „Mischehen“, besessen von dem Ziel, Deutschland „judenrein“ zu machen. Im Schutz des wütenden Krieges brauchten sich die Nationalsozialsten nicht mehr vor der Gegenwehr der „deutschen“ Familienangehörigen zu fürchten.
Am 17. September 1944, nur knapp 7 Monate nach Ihrer Rückkehr nach Krefeld, wurde Sie aus ihrer letzten, freiwillig gewählten Wohnung auf der Schönwasserstrasse 1, in Haft genommen. Ihr Mann starb am 14. Oktober 1944 bei einem Fliegerangriff auf die Rheika AG.

Nun völlig schutzlos und allein, ohne ein weiteres Familienmitglied, wurde sie in das Sammellager, Iranische Strasse 2 in Berlin überstellt. Unter der Kontrolle der Gestapo erfolgte hier die organisatorische Vorbereitung der Transporte, sowie der Einzug der Vermögen der Opfer. Die Gestapo bezeichnete diesen verwaltungsmäßigen Akt, dem sich jeder Häftling unterziehen musste, als „Durchschleusung“. Von hier aus wurden sie dann, oft vor den Augen der Bevölkerung und mithilfe privater Speditionen, zu den Bahnhöfen gebracht, verschleppt und schließlich ermordet.
Am 2. Februar 1945, ein Monat vor Kriegsende in Krefeld (2. März 1945) wurde Johanna Chrobog im Alter von 44 Jahren mit dem letzten von Berlin aus stattfindenden 116. Theresienstadt-Transport deportiert.

Johann Chrobog überlebte. Mittellos und aller Vermögenswerte beraubt, allein und als einzige Überlebende dieser Familie kehrte Sie am 20. Juli 1945 nach Krefeld-Linn zurück. Im schlechten gesundheitlichen Zustand, im andauernden Kampf um Hilfe durch den Staat, welcher durch den Verlust wichtiger Unterlagen im Rahmen von Haft und Konzentrationslager erschwert wurde, verstarb Johanna am 12. November 1967 in Krefeld.

Möge Ihr Leben uns berühren und eine Mahnung für uns sein, in unserer heutigen Zeit und Gesellschaft, Ausgrenzung, Hass und Hetze zu widerstehen und als Nachbarn und Freunde in unserem Umfeld zu leben und für ein soziales Miteinander zu sorgen.

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